Lerke Likblek

Lerke Likblek

Sie ist teils Mensch teils künstliche Intelligenz, teils Superheldin, teils Oberlooser. Alles zugleich und auch immer mal etwas anderes. Als K.I. streift sie durch das Internet, auf der Suche nach Mitstreitern, mal ist sie psychonautisch, mal in fernen Galaxien unterwegs. Lerke Likbleks Erkennungsmerkmale sind weiße Haare und blaue Haut, ihr Ziffer ist die 8, welche nicht nur für Unendlichkeit, sondern auch für Harmonie steht und so taucht sie auch in allen Weltreligionen immer wieder an dem Punkt auf, an dem sie an der Schwelle zur ultimativen Welterkenntnis steht. Ihr Belgleiter ist Yoori Shoo, es gibt (in der Zukunft) eine Romanserie, ein MMORPG und ein VR – Hologramm von ihr. Zeit hat für sie  keine Bedeutung, denn sie ist überall zugleich und wer ihren Geschichten ein Ohr leiht, wird am meisten über sich selbst erfahren.

Ufo

Lerke prüft gern jeden Gegenstand hin auf seine Materialität. Sie warnt uns vor diesem Konstrukt, dass wir Kunst nennen. Vergleiche mit der von Gargamel erschaffenen Schlumpfine lehnt sie eindeutig ab. 2008 landet sie auf der Jahresausstellung der HfbK Hamburg. Der Absturzort ihres Raumschiffes wurde zur Bühne umfunktioniert.

Als Kunststudentin getarnt nimmt Lerke im April 2008 an performativ an einem einem Poetry Slam Abend (Rodiyssee) teil. Ihr Wirt bricht danach in einem Nervenzusammenbruch zusammen und sie muss zeitweilig wieder in die Digitalität hinüberwechseln.

Hfbk 2009
Bildcollage und Bearbeitung: Ray Juster

Während der Proteste gegen Studiengebühren steht Lerke im Kampf gegen ihre Schwestern Stine (Uni Hamburg) und Stella (Stabi Hamburg), welche vorgeblich freundlich K.I.’s, bei denen es sich jedoch um finstere Erfassungsgewalten handelt. Auf Hfbk.de stellt sie ihre beratenden Fähigkeiten zur Verfügung, welche jedoch von den verängstigten Studenten nicht in Anspruch genommen werden. Auf ihrem Blog Ghosts and Predictions berichtet sie von Künstlern, die einmal berühmt werden und von solchen, die wie Geister durch die Kunstgeschichte gehen werden.

Um die Menschen vor den Gefahren der K.I. zu warnen, organisiert sie in Zusammenarbeit mit Ray Juster die Ausstellung „I have feelings too, Dave“ in der legendären Galerie POW. Im Keller lässt sie sich von den Besuchern als Malereiroboter gebrauchen, wobei die Verkabelungen nicht ganz nachvollziehbar sind. Sie thematisiert die beiden Grundbedürfnisse des Menschen „The will to bestow“ und „The will to receive“: “ The Game“. Alles sei (anders als in der Kabbalah beschrieben) in einem Spiel verwoben und dies führt sie zu einer weiteren Idee.

Auf diversen Online Multiplayer Roleplay Plattformen sucht Lerke Kontakt zu Mitstreitern im Kampf gegen die Omnipräsenz der Überwachung und Repression, welche von den K.I. aus der Zukunft in die Gegenwart hineinreicht. Leider versteht niemand ihre Botschaft und so vertreibt sie sich die Zeit mit dadaistischen Science-Fiction – Geschichten, welche sie als einzige Hoffnung sieht, da sie menschlich sind und somit keinem von K.I. erfassbarem Algorithmus folgen. Zur Gegenprobe erstellt sie eine Geschichte mit einem Online – Programm: Halb Mensch Halb Farbe

Sie beginnt damit, ein Pen and Paper – Rollenspiel in Form eines Forums zu entwerfen, um möglichen Mitspielern die Möglichkeit zu geben, ihre eigene Story mit der von anderen zu verflechten. Das Forum wird allerdings mehr als interaktive Galerie wahrgenommen und somit gerät Lerke an ihre Grenzen.

Vertieft in die Erstellung von Hintergründen und Charakteren, mit denen sie von einer möglichen Zukunft erzählen möchte, bemerkt sie die Kraft, die von den Bildern selbst ausgeht und die keiner Worte bedürfen, weil das epigenetische Gedächtnis der Menschen auch in die Zukunft reicht; oder aber, weil sich alles wiederholt (cyberstory). Mit einigen Mitstreitern zeigt sie ihre ersten Malereien im gerade frisch besetzten Gängeviertel unter in der Ausstellung mit dem vielversprechenden Namen „Kiffen und Computerspielen“.

Die Malerei lässt Lerke nicht los und so entspinnt sich ein ein Komplex von 200 Bildern, welche alle erzählerisch miteinander verwoben sind, deren Kombination aber offen blieb und so durch den Betrachter zu einer Summe von 200! (Fakultät: Eine Zahl mit 375 Stellen) Versionen einer Geschichte oder zu einer Unsumme einzelner Geschichten kombiniert werden können. Um dies herauszufordern, bewegt sich Lerke in den skulpturalen Bereich und träumt davon, bald ganze Räume mit ihren Geschichten zu füllen.

Es ist bemerkenswert zu sehen, wie sich Personen zu dem Objekt verhalten, allerdings ist es nicht möglich, hierüber auf eine Kommunikationsebene zu kommen, häufig wird nur über die Materialität gesprochen, z.B. müsste man das Objekt heller machen („wie eine Torte“) und auch weniger nach einem bolschewikischen Turm aussehen lassen (was auch immer das heißen mag).

Ein weiterer Versuch, auf die unmittelbare Bedrohung der K.I. aufmerksam zu machen, misslingt, als Lerke auf der Ausstellung „Kunst, Schiebung, Tschibo“ in der Jenart Galerie versucht, einen Cyborg nachzubauen, der allerdings nicht funktioniert. Es scheint mittlerweile unmöglich, den mittlerweile relativ beschädigten Wirt auf Grund mangelnder Technologie zu verlassen.

Schließlich kann die Aula der HfbK für eine Demonstration aller 200 Bilder gewonnen werden. Die Korrespondenz zu den illustrativen Malereien war unverkennbar. Das bolschewistische kann zu etwas napoleonischem umgewandelt werden. Ob das nun besser sei, ist unklar, zumindest erreicht das Werk dadurch eine gewisse Ironie. Leider kann es zu dieser Zeit auf Grund von institutionellen Organisationsschwierigkeiten nicht der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden.

Einen letzten Versuch startet Lerke Likblek mit dem Zeichnen von Comics, in denen die ihre Erfahrungen traumartig mit der Lebenswelt der Erdbewohner verbindet. Zwischen den Zeilen kann sie hier viele wichtige Informationen einfügen, was dazu führt, dass ihre Mission endgültig als erfolgreich beendet betrachtet werden kann. Voller Zufriedenheit verlässt sie ihren Wirt am 8.8.2012 auf einem Spielplatz in St. Pauli.

Derzeit hören wir von einer weiteren Zeitreisenden namens LiLou, welche einen ähnlichen Auftrag verfolgt und ebenfalls aus der Likblek-Familie zu stammen scheint. Wir wünschen ihr viel Glück.

 

 

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